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Der 30. März ist „Tag des Arztes“ – für mich Anlass, einen Blick auf den härtesten Teil des Medizinstudiums zu werfen. Alle Studierenden müssen gleich im ersten Semester da durch, egal ob sie Internist oder Zahntechniker werden möchten. Manchen graut wochenlang davor, einigen Teilnehmenden wird anfangs derart übel, dass sie sich übergeben müssen oder umkippen. Der Härtetest ist ein Präparierkurs und bedeutet: Die Studierenden müssen am Körper eines toten Menschen lernen, den Aufbau des menschlichen Körpers besser zu verstehen.

Wenn sich der Professor ein Herz greift

Wie es im Präpariersaal einer Anatomischen Anstalt im Detail zugeht, beschreibe ich hier lieber nicht. In meiner Vorrecherche über Anatomie bekam ich schon Gänsehaut, wenn ich nur gelesen habe, was die Studierenden am ersten Tag des achtmonatigen Präparierkurses erwartet. Ich sage nur: aufschneiden.
Aber man kann sich bekanntlich an alles gewöhnen, und so war das auch bei diesem Thema. Je mehr ich über Anatomie erfuhr, umso mehr ließ das Gruselgefühl nach. Das war günstig für mein Interview mit Prof. Dr. med Jens Waschke, Lehrstuhlinhaber für vegetative Anatomie an der LMU München. In seinem Büro liegen im Regal neben Büchern auch Schädel und Plastinate menschlicher Organe. Als Jens Waschke das Plastinat eines echten menschlichen Herzens in die Hand nahm, konnte ich sogar hinschauen und Fotos machen.

Recherche zum Thema „Körperspende“

Das Interview war Teil meiner Recherche für das Magazin „anders handeln“, Thema: Körperspende. Natürlich fragte ich Jens Waschke, warum Studierende nicht einfach anhand von virtuellen Darstellungen und Modellen aus dem 3-D-Drucker den menschlichen Körper kennenlernen. Seine Antwort: „Das wäre nur zweitbeste Wahl. Es gibt nichts, was der Detailtreue und Dreidimensionalität einer Präparation gleichkommt. Wer noch nie wirklich eine Arterie gesehen und angefasst hat, für den wäre eine Operation ein Experiment.“ Dass ein Präparierkurs im Prinzip unverzichtbar ist, bestätigten – aus ganz anderen Blickwinkeln – weitere Interviewpartnerinnen, eine Hochschulseelsorgerin und eine Studentin. Danke an alle Interviewpartner/innen!

Buchtipp: Mensch – einfach genial

Mir reicht bis auf Weiteres das Anatomie-Wissen, das Jens Waschke in seinem Buch vermittelt. Unter dem Titel „Mensch – einfach genial“ gibt er eine für Laien wunderbar verständliche Einführung in die Anatomie. Besonders hilfreich finde ich die Grafiken und Abbildungen, etwa von Organen, Knochen und Muskeln. Auf Seite 146 sind die Gesichtsmuskeln dargestellt (Foto). Mir war bis dahin neu, dass es einen „Zornmuskel“ und einen „Trauermuskel“ gibt.
Der menschliche Körper ist ein Faszinosum – und mir ein Rätsel. Chapeau, wer sich damit auskennt! Ein großes DANKE an alle Menschen, die sich als Ärztinnen und Ärzte für die Gesundung von Menschen einsetzen!

Mensch – einfach genial. Die Anatomie zwischen Locke und Socke“ von Prof. Dr. med. Jens Waschke. 346 Seiten, Urban & Fischer Verlag, 2020, 18 Euro. Im Shop direkt zu bestellen.

In einem Video erklärt Prof. Dr. Waschke direkt im Präpariersaal der Anatomischen Anstalt in München, wie ein Präparierkurs für Studierende der Human- und Zahnmedizin abläuft.

Mein Feature für das Magazin „anders handeln“ ist unter dem Schwerpunktthema „Nächstenliebe“ erschienen. Das Heft ist für 4,50 Euro zu bestellen.

Abbildung: © Elsevier GmbH, München

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